Wie die KI in der Produktion ankommt

SMC KI Assistent
2×2-Matrix veranschaulicht die verschiedenen Ansätze: KI-Assistent, -Copilot, -Agent und -Autopilot.

In der aktuellen Diskussion um Künstliche Intelligenz im Unternehmenskontext überschlagen sich die Begriffe: KI-Agent, KI Copilot, KI Autopilot oder KI Assistent. Für viele Entscheider wird es zunehmend schwierig, dabei den Überblick zu behalten und die richtige Strategie für den eigenen KI-Einsatz zu wählen. Die Praxis zeigt, dass der Erfolg oft nicht in der komplexesten Lösung, sondern im klugen Zusammenspiel von Technologie, Prozessverständnis und Mitarbeitereinbindung ligt. Am Erfahrungsbericht aus einem Projekt bei E.ON zeigt Schopf Meta Consult, warum der Assistenten-Ansatz für Unternehmen der ideale Einstieg ist.

KI Assistent führt zum schnellen Erfolg

„Warum nicht gleich einen vollautomatischen KI-Agenten entwickeln?“ – diese Frage stellte sich auch das Team bei E.ON, als es um die Optimierung des Beschwerdemanagements ging. Die Antwort war überraschend pragmatisch: Weil Assistenten schneller Mehrwert schaffen und weniger Risiken bergen. Statt jahrelanger Entwicklungszyklen und komplexer Systemintegrationen setzte der Energiekonzern auf einen KI-gestützten Assistenten-Ansatz – mit schnellem Erfolg.

„Was wir bei vielen Unternehmen beobachten, ist der Wunsch nach der perfekten KI-Lösung, bevor überhaupt der erste Schritt gemacht wird“, erklärt Dr. Peter Schopf, Gründer von Schopf Meta Consult GmbH, der das Projekt bei E.ON begleitet hat. „Dabei kann ein gut konzipierter Assistent in wenigen Wochen implementiert werden und sofort Mehrwert liefern – während Mitarbeiter und Organisation gleichzeitig wertvolle Erfahrungen sammeln.“

Die 2×2-Matrix macht die verschiedenen KI-Ansätze verständlich: Während Agenten hochautomatisiert und stark integriert sind, aber oft zu früh eingesetzt werden, und Copiloten (wie Microsoft Copilot) zwar ebenfalls integriert, aber weniger automatisiert arbeiten, bieten Assistenten den idealen Einstieg – mit geringer Integration, aber direkter Fokussierung auf spezifische Anwendungsfälle.

Das E.ON-Projekt: Technologie trifft Change Management

Besonders spannend am E.ON-Projekt ist die ausgewogene Budget-Verteilung: Jeweils ein Drittel floss in die KI-Plattform/Technologie, in die Prozessanalyse/Optimierung und in Change-Management-Aktivitäten. „Diese Balance ist entscheidend“, betont Dr. Schopf. „Zu oft konzentrieren sich Unternehmen ausschließlich auf die technologische Komponente und vernachlässigen, wie Prozesse angepasst und vor allem Menschen mitgenommen werden müssen.“

Die Implementierung selbst verlief reibungsloser als bei vielen herkömmlichen IT-Projekten: Da der Assistenten-Ansatz keine tiefgreifende Integration in bestehende Systeme erforderte, konnte schnell ein funktionierender Prototyp entwickelt werden. Die eigentlichen Herausforderungen lagen vielmehr in der Entwicklung effektiver Prompts – also der Anweisungen für die KI.

„Wir haben die Prompts iterativ mit dem Feedback der Pilotnutzer verbessert„, erklärt Dr. Schopf. „Diese waren Profis im Team, verantwortlich für Prioritäts-Beschwerden. Ihre Erfahrungen flossen direkt in die Weiterentwicklung ein.“ Nach dem ersten Feedback wurde die Benutzeroberfläche in einer zweiten Version nochmals speziell auf die Anwender zugeschnitten.

Datenschutz und Betriebsrat: Keine unüberwindbaren Hürden

Ein Aspekt, der viele Unternehmen von KI-Projekten abhält, ist die Sorge vor Datenschutzproblemen oder Widerständen des Betriebsrats. Die Erfahrung bei E.ON zeigt jedoch: Mit durchdachten Konzepten und intensiver Zusammenarbeit lassen sich diese Hürden überwinden.

„Wenn die Organisation aufgeschlossen und vorwärtsgewandt ist, klappt das einfach“, resümiert Dr. Schopf. Zunächst wurde mit anonymisierten Daten gearbeitet, während die Datenschutzfreigabe parallel vorangetrieben wurde. Mittlerweile ist dieser Prozess erfolgreich abgeschlossen, sodass die manuelle Anonymisierung durch die Nutzer entfällt.

Begeisterte Nutzer als beste Werbung

Besonders bemerkenswert: Obwohl noch mit der ersten Benutzeroberfläche und unter erschwerten Bedingungen (manuelle Anonymisierung) gearbeitet wurde, fiel eine Nutzerumfrage äußerst positiv aus. Der Erfolg spricht sich innerhalb des Konzerns herum – verschiedene Abteilungen fragen bereits aktiv nach dem KI Tool.

Diese positive Resonanz ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines durchdachten Ansatzes, bei dem die Komplexität „seitenlanger Prompts“ für die Nutzer hinter einfachen Buttons verborgen wird. Die Benutzeroberfläche wurde speziell für die jeweiligen Aufgaben optimiert und auf die menschlichen Sachbearbeiter zugeschnitten.

Promptathons: Wenn Training zum Problemlöser wird

Ein Schlüsselelement für die positive Aufnahme des KI-Assistenten waren sogenannte „Promptathons“ – spezielle Trainingsformate, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern konkrete Probleme lösen. „Wir haben zunächst relevante Challenges identifiziert, die für die Mitarbeiter im Beschwerdemanagement täglich relevant sind“, erläutert Dr. Schopf. „Jede Challenge wurde von den Coaches mit unterschiedlichen Schwierigkeitslevels vorbereitet, sodass es niemanden langweilig wurde – unabhängig vom Vorwissen.“

Die Teilnehmer arbeiteten in Zweierteams unter Betreuung an den Challenges und teilten ihre Ergebnisse, um voneinander zu lernen. So konnte die anfängliche Frustration, die viele Anfänger mit KI erleben, überwunden werden – durch gemeinsames Lernen und das Einbringen von mehr Kontext, als die meisten Neulinge intuitiv verwenden würden.

Führungskräfte brauchen andere KI-Trainings

Eine wichtige Erkenntnis aus einer Vielzahl von Projekten: Führungskräfte benötigen spezifische KI-Trainingsformate. „Während bei allgemeinen KI-Schulungen anfangs nur wenige Manager aktiv die ganze Zeit dabei waren, stellten wir fest, dass kleinere Gruppen von ein bis fünf Personen mit konkreten Problemen, die sie aktuell beschäftigen, deutlich effektiver sind“, berichtet Dr. Schopf.

Dieser Ansatz ermöglicht es Führungskräften, ihre Arbeit direkt zu beschleunigen, sodass das Training nicht als „verlorene Zeit“ empfunden wird. Personalisierte Promptathons eignen sich besonders für Führungskräfte, wenn damit ihre – oft strategischen – Probleme in einem Durchgang adressiert werden und gleich ein fertiges Konzept entsteht. Der Vorteil: Mit KI lässt sich das Abstraktionsniveau beliebig ändern, man kann also je nach Bedarf „rein- und rauszoomen“.

Die Vermittlerrolle zwischen IT und Fachabteilungen

Als besonders wertvoll hat sich im E.ON-Projekt die Position zwischen operativen Einheiten und IT erwiesen. „Die operativen Einheiten wissen oft nicht, was mit KI möglich ist, und die IT weiß oft nicht, was gebraucht wird“, erklärt Dr. Schopf. „Diese Übersetzungsleistung zu erbringen und zu vermitteln, hat sich als Schlüsselelement im Erfolg des E.ON-Projekts herausgestellt.“

Die Vorschläge zur Umsetzung wurden auf Basis von Interviews abgeleitet. Dabei wurde zwar viel Feedback eingesammelt, aber der vermittelnden Person wurde von beiden Seiten großes Vertrauen entgegengebracht – ein wichtiger Faktor für den Projekterfolg.

IT nicht auf den kritischen Pfad setzen

Eine aufschlussreiche Beobachtung betrifft die Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung. „Mit zwei mittelständischen Unternehmen habe ich erlebt, dass die Geschäftsverantwortlichen zwar KI-Projekte starten wollten, die IT aber bremste – im Sinne von: Erst müssen wir die IT-Infrastruktur sauber aufsetzen, bevor wir mit KI experimentieren“, berichtet Dr. Schopf.

Zwar sei eine saubere Infrastruktur und Datenstruktur wichtig, doch KI-Assistenten lassen sich auch ohne tiefe Integration aufsetzen. „Sie bringen direkten Mehrwert und zeigen dem Unternehmen und den Menschen, was möglich ist – das klassische Thema ‚Low Hanging Fruits'“, so Dr. Schopf. „Transformation geht nie von heute auf morgen, und eine saubere IT-Struktur auf den kritischen Pfad zu ersten Erfolgen mit KI zu stellen, führt dazu, dass man wahrscheinlich zu spät dran ist.“

Vom Prompt zum autonomen KI Agenten

Peter Schopf referiert auf einer Veranstaltung der Siemens Mobility GmbH.

30.09.2025 | Der Assistenten-Ansatz, wie er bei E.ON umgesetzt wurde, bietet einen pragmatischen und erfolgversprechenden Einstieg in die Welt der Unternehmens-KI. Statt komplexer Integrationen und jahrelanger Entwicklungszyklen ermöglicht er schnelle Erfolge, während gleichzeitig wertvolle Erfahrungen gesammelt werden.

Drei Kernaspekte haben sich dabei als entscheidend erwiesen:

  1. Der ausgewogene Fokus auf Technologie, Prozessverständnis und Mitarbeitereinbindung
  2. Maßgeschneiderte Trainings– und Change-Management-Maßnahmen wie Promptathons
  3. Die Vermittlerrolle zwischen IT und Fachabteilungen

Wer mehr über diesen Ansatz erfahren möchte, sollte die Veranstaltung „Next-Level Automatisierung: Vom Prompt zum autonomen Agenten im Unternehmensalltag“ im Rahmen des Nürnberg Digital Festivals am 1 Juli 2025 besuchen. Dort wird Dr. Peter Schopf (Schopf Meta Consult GmbH) von 9 bis 10 Uhr detaillierte Einblicke in das E.ON-Projekt und praktische Tipps für den eigenen KI-Einstieg geben. Alternativ können Interessierte auch direkt mit SMC Kontakt aufnehmen, um zu erfahren, wie sich der Assistenten-Ansatz in ihrem Unternehmen umsetzen lässt.

Häufig gestellte Fragen

Autor
Peter Schopf

Peter Schopf

Gründer der Schopf Meta Consult, Erlangen.

Nach oben scrollen