Therapie und Reha | Hilfsmittel von Prothese bis 3D Druck

Die Medizintechnik treibt die Innovation im Bereich der Therapie– und Reha-Hilfsmittel maßgeblich voran. Modernste Technologien ermöglichen effektive Lösungen zur Unterstützung der Patienten bei der Wiederherstellung ihrer Mobilität und Lebensqualität. Von intelligenten Prothesen über adaptive Orthesen bis hin zu fortschrittlichen Therapiegeräten – aktuelle Entwicklungen bieten vielseitige Ansätze für eine optimierte Rehabilitation.
Therapie- und Reha Hilfsmittel 2026 – Das Wichtigste in Kürze
Der Bereich der Therapie und Reha Hilfsmittel erlebt durch technologische Fortschritte eine rasante Entwicklung. Zu den aktuellen Trends zählen intelligente, vernetzte Systeme, die Patienten individuell unterstützen und physiotherapeutische Übungen präzise überwachen. Bahnbrechende Neuheiten wie 3D-gedruckte Orthesen und Prothesen, die passgenau an die Anatomie des Patienten angepasst werden, revolutionieren die Rehabilitation.
Dank der flexiblen Einsatzmöglichkeiten des 3D-Drucks sind maßgefertigte Hilfsmittel heute schneller und kosteneffizienter produzierbar – ein entscheidender Fortschritt im Vergleich zu herkömmlichen Fertigungsverfahren. Die Verknüpfung von sensorgestützter Medizintechnik und digitalen Plattformen ermöglicht zudem eine präzisere Nachverfolgung des Heilungsverlaufs, was die Effizienz in Therapie und Reha nachhaltig steigert.
Reha- und Therapie-Hilfsmittel Neuheiten und Innovationen
Extensionsschuh aus dem 3D-Drucker

06.11.2024 | Condor Medtec stellt seinen Extensionsschuh Rotexshoe (Bild oben) aus dem 3D-Drucker vor. Der Schuh kommt bei traumatologischen und chirurgischen Eingriffen zum Einsatz. Er positioniert und stabilisiert den Fuß oder das Bein des Patienten in der richtigen Lage.
Das neue Modell wird durch das 3D-Druckverfahren Lasersintern aus Polyamid hergestellt. Es besteht aus einer Fußschale, Zahnriemen und praktischen Single-use-Polstern zur Reduzierung von Hygienerisiken. Der additiv gefertigte Schuh erfüllt viele Anforderungen: Er hält einer Zugkraft von 80 kg stand. Zudem weist eine gleichbleibende Qualität während des Fertigungsprozesses auf . Hinsichtlich seiner Festigkeit ist der Schuh mit spritzgegossenen Bauteilen vergleichbar.
Dem Hersteller war die Biokompatibilität wichtig. Ein medizinisches Produkt ist dann biokompatibel, wenn es keinen negativen Einfluss auf den menschlichen Organismus hat. Der Rotexshoe aus dem 3D-Drucker ist ein Extensionsschuh aus Polyamid, der all diese Kriterien erfüllt.
Sich anpassendes Exoskelett für den Schlaganfall Patienten

24.09.2020 | Ein Exoskelett wie das Harmony von Harmonic Bionics helfen in der Physiotherapie beim Wiederaufbau der Nervenbahnen in Armen und Schultern von Schlaganfallpatienten. Robotikgestützte Exoskelette sollten sich schnell auf dessen Körpergröße anpassen lassen. Dazu setzen die Entwickler auf Gleitlager von Igus.
Virtual Reality zur Behandlung psychischer Störungen

03.01.2020 | Neomento entwickelt Virtual Reality-basierte Softwarelösungen für die Behandlung von psychischen Störungen wie Angst- und Suchterkrankungen. Die effektivste Form der Behandlung, die Konfrontation in realen Umgebungen (in vivo), ist logistisch aufwändig, herausfordernd und nicht vollständig kontrollierbar.
Deshalb kommt sie nur unzureichend zum Einsatz. Neomento ermöglicht eine VR-Konfrontation (in virtuo), welche sowohl für den Patienten als auch für den Therapeuten unkompliziert umsetzbar und für den Patienten nachweislich genauso effektiv ist.
Die Softwarelösung spart Zeit, ist patientenindividuell anpassbar und bietet einen hohen Immersionsgrad sowie vollständig kontrollierbare Situationen. Die einsetzbaren Charaktere steigern die Patientenmotivation, die Rückfallquote fällt geringer aus und eine Über- oder Unterforderung ist frühzeitig erkennbar.
Intelligente Temperaturmess-Lösung für medizinische Anwendungen

20.03.2019 | Die „Femsense“-Technologie von Steady Sense erfasst kontinuierlich die Körpertemperatur auf einfache, exakte und hygienische Art. Sie zum Beispiel zur Ermittlung des Eisprungs bei Kinderwunsch oder erfasst gefährliche Temperaturanstiege nach der Operation.
Ein wesentlicher Nachteil von nichtinvasiven punktuellen Temperaturmessungen ist, dass plötzliche Temperaturanstiege – die z. B auf eine Infektion nach einer Operation hinweisen – nicht aufgezeichnet werden. Die lückenlose Temperaturüberprüfung über bis zu sieben Tage mit Femsense ist dagegen eine ideale Lösung, um beispielsweise die fruchtbaren Tage bei Kinderwunsch zu ermitteln oder für das Patienten-Monitoring in Kliniken. AT+S war an dieser Entwicklung von Anfang an beteiligt – von der Machbarkeitsstudie über die Produktentwicklung bis hin zur Fertigung.
Dabei profitierte das in der Nähe von Graz angesiedelte Start-up-Unternehmen nicht nur von der führenden Leiterplatten-Technologie von AT+S, sondern auch von der umfassenden Systemexpertise, insbesondere im Medizinbereich. Das smarte Femsense-Sensorsystem besteht neben der Schaltungslogik im Wesentlichen aus einem temperaturempfindlichen vollintegrierten Sensor, der als Temperaturmesspflaster unter der Achsel aufgeklebt und mit dem Smartphone aktiviert wird.
Der Hightech-Patch ermittelt und speichert in der Folge kontinuierlich die aktuellen Körpertemperaturwerte in vorgegebenen Zeitintervallen. Bei Bedarf werden die gemessenen Werte mit einem NFC (Near Field Communication) -fähigen Smartphone ausgelesen, ausgewertet und in der eigens entwickelten App angezeigt. Das Resultat ist eine exakte, einfache, durchgängige und diskrete Temperaturmessung.
Hilfe bei Kinderwunsch

Die erste Anwendung für den Sensorpatch fokussiert auf der Ermittlung der Ovulation, also des Eisprungs der Anwenderin mittels des Basaltemperatursprunges. Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft bei Kinderwunsch zu erhöhen. Die Korrelation zwischen dem Anstieg der Körpertemperatur und dem Ovulationszeitpunkt ist seit fast 100 Jahren bekannt.
Die Innovation besteht darin, dass mit dem Femsense Patch die Temperatur kontinuierlich und präzise gemessen wird. Im Vergleich zu Punktmessungen (z. B. einmal täglich) kann dadurch eine Temperaturkurve präzise ermittelt werden, womit sich die Zuverlässigkeit dieser Methode deutlich erhöht.
Der einmalige Gebrauch der Temperaturmesspflaster minimiert Infektionsrisiken. Neben den Sensor-Patches stellt Steadysense auch die App sowie alle Schnittstellen zur zentralen Datenbank zur Verfügung. Femsense ist ein zertifiziertes Medizinprodukt nach ISO 13485.
Kompaktes Design mit flexibler Leiterplatte
Der handliche und kompakte Patch basiert auf einer Schaltung mit flexibler Leiterplatte von und schmiegt sich bequem der Körperoberfäche an. Flexible Leiterplatten finden heute in vielen Bereichen der Elektronik Anwendung. Oft wird die Leiterplatte gebogen, verdreht oder gefaltet in ein Gehäuse eingebaut. Durch den Einsatz flexibler Leiterplatten können Verbindungen und Geometrien erzeugt werden wie z.B. Femsense Patches – die mit einer starren Leiterplatte nicht realisierbar sind.
Die Leiterplatte wurde mittels SMT mit dem Temperatursensor und einer Batterie bestückt. AT+S hat nicht nur die Leiterplatte entwickelt, sondern auch die Bestückung durchgeführt. Dafür hat das Unternehmen die entsprechenden Kapazitäten und Technologien in seinem koreanischen Werk genutzt. Dort ist man besonders auf flexible Leiterplatten-Lösungen für den Medizinbereich spezialisiert.
Die enge Kooperation mit Steadysense ist nur ein Beispiel dafür, wie AT+S seine umfassende Expertise über die Leiterplatte hinaus in das Systemdesign einbringt und dabei eng mit Partnern oder Kunden frühzeitig in der Produktentwicklung zusammenarbeitet. Insbesondere werden junge, innovative Start-up-Unternehmen unterstützt.
Bionische Prothesen für Babys und Kleinkinder
13.11.2017 | RS Components unterstützt ein Start-up, das voll funktionsfähige Prothesen mit Hydraulik-Technologie (Bild oben) entwickelt. Das neu gegründete Unternehmen verfolgt die Mission, diese Technologie Kindern auf der ganzen Welt zugänglich zu machen, die sie benötigen. Alles begann, als der Erfinder für seinen eigenen Sohn eine Hilfe entwickelte.
RS hat das gesamte 3D-Druckfilament für die Prototypenentwicklung von hydraulischen Gliedmaßen zur Verfügung gestellt, nachdem Ben Ryan – unzufrieden mit den gängigen Prothesen für Babys und Kleinkinder – seine Karriere in der Lehre aufgegeben hat, um sich der Entwicklung eines neuen Arms für seinen Sohn zu widmen. Im Zuge einer Verletzung bei der Geburt hatte sein Sohn einen Arm verloren. Ben Ryan wollte darüber hinaus erreichen, dass andere Kinder in ähnlichen Situationen Zugang zu dieser Technologie haben. Daher gründete er das Unternehmen Ambionics, das bisher durch Crowdfunding finanziert wurde. RS unterstützt den Beta-Test mit 20 Familien rund um den Globus.
Portrait eines Erfinders

Der Anstoß zu dieser Unterstützung kam über einen Fernsehbericht: Ryan´s Mission wurde in einem Video der Reihe Portrait of a Inventor aufgenommen. Alison Hutchings, Assistant Global Category Manager 3D Print bei RS dazu: „Ich habe die bewegende und herzerwärmende Geschichte von Ben Ryan in den Fernsehnachrichten gesehen und war der Meinung, dass es einen Weg geben könnte, wie die RS sich engagieren und helfen kann.
Wir haben Ben Ryan über Linkedin kontaktiert und so eine Beziehung zu ihm aufgebaut. Seine Mission und seine kühne Vision inspirierte uns. Vor allem, dass es sich um jemandem ohne Vorkenntnisse im Bereich der Entwicklung oder einschlägigen Hintergrund in der Konstruktion handelte, sprach uns an. So beschlossen wir, Ambionics zu unterstützen.“
Durch die Bereitstellung des 3D-Druckfilaments kann Ben Ryan sich ganz auf den Beta-Test konzentrieren, ohne durch Produktionskosten eingeschränkt zu sein. Das Projekt hat bereits großes Interesse geweckt und 23.000 £ durch Crowdfunding von den insgesamt benötigten 150.000 £ eingeworben. „Es handelt sich um ein sehr wertvolles Projekt und wir sind stolz darauf, zu den Unterstützern zu gehören“, fügt Alison hinzu.
Optionen für die Kleinsten
Ben Ryan sagte: „Ich bin hoch erfreut über die Fortschritte, die wir bei der Entwicklung und Erprobung der Ambionics-Prothesen gemacht haben. Dies war nur möglich durch die treuen Unterstützer des Projekts.“ Die derzeitigen Optionen für Babys und Kleinkinder, die Gliedmaßen verloren haben, sind wirklich nicht optimal. Die Technik stützt sich auf Sensorik, die für Menschen unter drei oder vier Jahren nicht einsetzbar ist. Hinzu kommt, dass viele der Prothesen vom ästhetischen Gesichtspunkt her überhaupt nicht ansprechend sind. Mein Ziel ist es, mit Ambionics Kindern überall auf der Welt dabei zu helfen, Prothesen zu nutzen und sie bis ins Erwachsenenalter einzusetzen. Dass diese sicher funktionieren und keine Kleinteile oder Batterien enthalten, ist der Schlüssel für den Einsatz im frühestmöglichen Alter.
Die Unterstützung von Ambionics bekräftigt die neue Markenpositionierung von RS, die mit dem Leitsatz for the inspired zusammengefasst wird. Bei dieser Positionierung geht es dem Unternehmen darum, die besonderen Leistungen seiner Kunden und Lieferanten hervorzuheben. Es soll aufgezeigt werden, in welcher Weise RS zur Stelle ist, um deren Innovationen zu unterstützen – immer wenn es darum geht, technische Möglichkeiten für die Zukunft zu fördern oder wenn Ideen in die Realität umgesetzt werden sollen.
