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rollon lillpoppJörg Lillpopp, Leiter Vertrieb und Technik, Rollon GmbH

Logimat Halle 7, Stand F51

Interview

Auf dem Weg zum Globalplayer haben wir Vertriebleiter Jörg Lillpopp bei Rollon zu Strategie, wirtschaftlicher Entwicklung, Timken Integration und vielem mehr befragt. In Zeiten von Brexit, Handelskrieg USA-China und Co. entwickelt sich der Lineartechnik Spezialist vom Komponenten zum Systemanbieter von Linearführungen und Linearachsen und arbeitet an Modellen, bei denen die elektrische und mechanische Lineartechnik mehr als nur Bewegungen ausführen. In Predictive Maintanance und Condition Monitoring sieht man bei Rollon große Chancen Industrie 4.0 für die Next Generation mitzugestalten.

Um aus einem Unternehmen mit weltweiten Standorten ein globales Unternehmen zu formen, arbeiten wir intensiv daran, die Rollon Gruppe dahingehend zu organisieren. Eine der Maßnahmen ist der Umbau in eine Matrixorganisation für die wichtigsten Bereiche Vertrieb, Marketing, Business Entwicklung und Produktion.

Eine weitere Aufgabe ist der Aufbau und Ausbau von weiteren Standorten zur Lokalisierung. Dies ist notwendig, um den Anforderungen der Märkte und damit unseren Kunden mit schnellen Reaktionszeiten und kurzen Lieferzeiten zu begegnen. Sehr spannend sind auch der Prozess der technischen Weiterentwicklung, Produktdesign und Einsatz innovativer Fertigungstechnologien, den unsere Produktpalette derzeit durchläuft.

Das schwierige politische und wirtschaftliche Umfeld ist eine weitere Herausforderung an uns. 2019 konnten wir noch ein Umsatzplus zum Vorjahr darstellen, was in unserer Branche schon eine Ausnahme war. Ganz spurlos gingt dies aber auch an uns nicht vorbei. In 2020 hilft uns unser Geschäftsmodell sicherlich dabei, dass wir auch in diesem Jahr von einem Wachstum ausgehen können.

Seit 2018 gehört Rollon zur Timken Gruppe: Wie weit sind Sie mit der Integration?

siebte AchseDas Wort 'Intergration' passt nur bedingt. Rollon bleibt in einem sehr hohen Maß selbstständig. Wir finden uns in dem Bereich MPT der Timken Gruppe wieder, in dem einige weitere Unternehmen aus dem Bereich ‚Mechanical Power Transmission‘ operieren. Integration findet vorwiegend nur in den administrativen Bereichen von Human Resource und Finance statt. Hier profitieren wir gerne vom professionellen Konzept der Timken Gruppe im Hinblick auf Mitarbeiterförderung, Talentförderprogramme, Incentivierung.

Im Vertrieb erleben wir keinei Veränderung. Timken ist von unserem erfolgreichen Geschäftsmodell überzeugt und lässt uns dieses weiterverfolgen und ausbauen.

Timken ist zudem in den USA bestens organisiert, ebenso ist der chinesische Markt sehr gut durchdrungen. Wir werden sicherlich das bestehende Netzwerk zur Stärkung von Rollon und der Durchdringung der Märkte nutzen.

Was denken Sie, wie Timken von Rollon profitiert?

Unser Businessmodell hat Timken interessiert und uns letztendlich auch deshalb gekauft. Modularität, Customersation sind die Themen, die sicherlich so als Modell auch in anderen Unternehmen der MPT Gruppe angewendet werden können. Rollon wird in diesem Bereich und dem weiteren Ausbau im Bereich Antriebstechnik eine Rolle spielen.

Welchen Einfluss haben die globalen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen auf Ihr Business?

Rollon LinearachseNun, die politische Situation können wir nicht beeinflussen und wir müssen uns den täglichen Herausforderungen der jeweiligen Situation stellen. Unser Hauptgeschäft in UK erfolgt über global operierende Unternehmen und wir erwarten daher wenig bis gar keinen Einfluss auf unser Geschäft. Wir denken auch, dass uns der Handelsstreit zwischen den USA und China weniger belastet. Unsere lokale Präsenz in diesen Ländern und weniger das Handelsgeschäft zwischen den Ländern wird uns unterstützen. Natürlich müssen wir den Einfluss von möglichen Handelszöllen für unsere Kunden in diesen Ländern berücksichtigen, die letztendlich dann auch uns betreffen können.

Ansonsten ist weiterhin global der positive Trend von Transportation und Logistik erkennbar. Hohe Investitionen im Bereich Luftfahrt und Railway, aber auch die starken Trends, das veränderte Kaufverhalten und schnelle Verfügbarkeit jeglicher Produkte, ob im Konsumbereich oder in der Industrie, lassen starkes Wachstum in diesen Marktsegmenten erwarten. Das sind bereits unsere Märkte und wir werden in diese auch weiter investieren und damit wachsen.  

Im Zeichen von Industrie 4.0 setzen Unternehmen zunehmend auf kundenspezifische Produkte. Wie sieht das bei Rollon aus?

Hier sprechen wir ja schon exakt über unser Geschäftsmodell von kundenspezifischen Lösungen und von dem Trend, dass sich Unternehmen von Komponenten- hin zu Systemanbieter entwickeln. Das ist unsere Welt, auf diese Anforderungen aus unserem Kundenbereich werden wir uns weiterhin einstellen.

Wir arbeiten an Modellen im Bereich ‚Condition Monitoring‘ und ‚Predictive Maintenance‘ für die Automation. Details können hier und jetzt nicht besprochen werden. Aber wir sehen in dem Thema Industrie 4.0 noch große Herausforderungen um das Thema ‚Big Data Management‘ und auch Chancen rund um das Thema Services als möglicherweise neues Geschäftsmodell. Ein Thema, dem wir in unseren Strategien viel Möglichkeiten einräumen.

Wie ist Rollon im Amazon-Zeitalter in Sachen Online-Marktplatz aufgestellt?

Online Marktplätze sind im Augenblick ein untergeordnetes Thema für uns. Der Vertrieb über einen eigenen Webshop als weiteren Kanal ist natürlich Bestandteil unserer Customer Journey Strategie. In Verbindung mit unserer Forcierung des Customersations bei ohnehin erklärungsbedürftigen Produkten sind aber vorher einige Roadblocker zu beseitigen. Die Kundenzufriedenheit muss auch bei einem solch großen Projekt gewährleistet sein.

Wir konzentrieren und im Online-Bereich erst einmal darauf, eine gute Basis im Hinblick auf die richtige Produktauswahl zu bieten. Hier arbeiten wir bereits mit einem eigens entwickelten Vorauswahltool, Kalkulationsprogramm und Code Creator.

Zurzeit befinden sich diese Tools in der Testphase. Das Ziel ist es aber natürlich, diese online für unsere Kunden zugänglich zu machen.   

Welche Neuheiten stellen Sie auf den Frühjahrsmessen 2020 aus?

Es wird einen Product Launch geben mit Neuheiten und Produkterweiterungen im Bereich der Komponenten und Linearachsen Systeme für lineare Bewegungen für unsere Rollon-Anwendungen verschiedener Branchen wie Industrie AutomationRail Way, Logistik, Luftfahrt, Fahrzeugtechnik, Medizintechnik und Gebäudetechnik.

Wir verschaffen unseren Produkten ein einheitliches Design, ich persönlich freue mich sehr auf das, was wir in Kürze auf der Logimat in Stuttgart, der Aircraft Interiors in Hamburg, der Interpack in Düsseldorf, der Interschutz in Hannover sowie der Automatica in München im ersten Halbjahr in Deutschland darbieten werden. Zudem stellen wir auf einigen Messen im Ausland aus, wie zum Beispiel der Progetto Fuoco in Verona oder der Metalloobrabotka in Moskau oder der IMTS in Chicago.

Welche Ziele hat sich Rollen für das neue Jahrzehnt gesetzt?

Wir wollen unter Timken und in dem Bereich MPT eine große Plattform für Linearführungen bieten, die sinnvollen Schnittmengen mit den anderen Unternehmen der Gruppe nutzen und weiter ausbauen. Wir wollen als Rollon global operieren und global produzieren. Wir wollen uns zum Leader kundenspezifischer Systeme auch unter dem Gesichtspunkt der Anforderungen von Industrie 4.0 entwickeln.

Wir beschäftigen uns schon jetzt und weiterhin mit dem Thema Next Generation. Unser Unternehmen muß als Arbeitgeber für die nächste Generation weiter interessant bleiben. Wir wollen das Unternehmen gut und vorausschauend auf alle Anforderungen wie Produkte, Märkte, Services im Zusammenhang mit Next Generation vorbereiten. 


Rollon zur Logimat          Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Anmerkung der Redaktion: Eigentlich sollte das Interview beim Lineartechnikspezialisten ein Video werden, aber Orkantief Sabine hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Vielen Dank an Klaus Hermes, Marketingleiter bei Rollon, der die Interview-Vorbereitungen von Jörg Lillpopp in Worte gefasst hat.

Der Autor
Klaus Hermes

Klaus Hermes ist Marketingleiter bei der Rollon GmbH in Düsseldorf.

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