Industrie aktuell

Sicherheitstechnik für die Safety-Automation

pepperl11118SPS IPC Drives Halle 7A, Stand 330

Titelstory

Seit 2013 verfügt Pepperl+Fuchs über ein zertifiziertes Functional Safety Management-System und gehört zu den Pionieren der funktionalen Sicherheit. Kürzlich hat der Automatisierer mit seiner SIL-Sprechstunde in Mannheim zum zehnten Mal seinen Anwendern einen Dialog zum Leitthema "SIL vs. IT-Security" geboten.

 

Als Gastgeber und Mitveranstalter der SIL-Sprechstunde verfügt das Mannheimer Unternehmen über mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von sicherheitsrelevanten Geräten. Auf Basis der ersten Sicherheitskonzepte für Schaltverstärker aus den 70er Jahren können bis heute SIL 3-Anforderungen erfüllt werden. Seither wurden weit mehr als zehn Millionen sicherheitsrelevante Interfacegeräte installiert.

Interaktive Veranstaltung

pepperl31118Mit der diesjährigen Auflage der SIL-Sprechstunde feierte man bei Pepperl+Fuchs in Mannheim ein Jubiläum: Zum bereits zehnten Mal fand die Veranstaltung statt und weiterhin erfreut sie sich großer Beliebtheit unter den Praktikern im Bereich der funktionalen Sicherheit. Dazu trägt zum einen der interaktive Charakter des Events bei: Fragen können bereits vor der Veranstaltung von den Teilnehmern eingereicht werden. Andererseits bleibt die Veranstaltung stets am Puls der Zeit, wie auch die jüngste Ausgabe SIL vs. IT-Security zeigte.

Spezialisten von Prüforganisationen wie dem TÜV, Functional-Safety-Manager von Geräteherstellern und Sicherheitsexperten aus der Industrie hatten sich ebenso am Mannheimer Hauptsitz von Pepperl+Fuchs eingefunden wie auch Behörden- und Verbandsvertreter sowie Rechtsexperten. Bei dieser breit aufgestellten Kompetenz konnten die Teilnehmer also einmal mehr auf die kompetente Beantwortung ihrer Fragen vertrauen.

Schlagzeilen der Cyber Security

„Experten in der Defensive“, „Zehn Schritte hinter den Hackern hinterher“ - derartige Schlagzeilen sind häufig zu lesen, wenn von Cyber-Security die Rede ist. Oft wird den Bedrohungen begegnet, indem Systeme stärker voneinander isoliert werden. Dem steht allerdings entgegen, dass die Digitalisierung der Automation und damit eine immer umfassendere Integration von Komponenten und Anlagen rasant voranschreiten. Die Strukturierung von funktionaler Sicherheit und IT-Security nahm so zwangsläufig einen breiten Raum während der SIL-Sprechstunde ein. Letztlich handelt sich normativ und rechtlich um zwei getrennte Welten, in denen die jeweiligen Hersteller mit unterschiedlichen Maßnahmen ihrer Verantwortung gerecht werden müssen.

Ebenfalls viel diskutiertes Thema war die rechtliche Situation der Hersteller vor dem Hintergrund von Safety vs. Security. Für die Gerätehersteller gilt: Sie sind verpflichtet, ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen. Das heißt, sie müssen Markt, Wettbewerb und technische Entwicklungen beobachten und ihre Maßnahmen dem jeweiligen Stand der Technik anzupassen. Dabei werden an die Komponenten der Hersteller andere Anforderungen gestellt als an die reinen Software-Anbieter. Während bei „normalen“ Produkten sicher gestellt sein muss, dass diese Produkte „sicher“ sind, müssen Anbieter digitaler Dienste geeignete technische und organisatorische Maßnahmen treffen, um Risiken für die Sicherheit der Netz- und Informationssysteme, die von unbefugten Dritten verursacht werden, zu bewältigen.

Haftungsrisiken gering halten

pepperl41118Die anwesenden Experten führten aus, dass die Gerätehersteller ihre Haftungsrisiken durch geeignete Maßnahmen so gering wie möglich halten müssen. Eindeutige und umfassende vertragliche Regelungen entlang der gesamten Wertschöpfungs- und Vertriebskette sowie ein angemessenes und erprobtes Produktbeobachtungs-Management würden hierbei eine herausragende Rolle. Schließlich seien auch sorgfältig erstellte Anleitungen für den Nutzer unverzichtbar. Die Dokumente sollten eine genaue Beschreibung von Verwendungszweck und Einsatzmöglichkeiten des Produktes sowie ggf. einen deutlichen Hinweis auf die Pflicht von Sicherheits-Updates enthalten.

Bestrebungen, mechanische Komponenten zukünftig genauso wie elektronische Komponenten zu bewerten, standen die meisten Teilnehmer ablehnend gegenüber, da – anders als bei komplexer Elektronik – bei mechanischen Komponenten die zufälligen Fehler nahezu unbedeutend sind.

Einige Teilnehmer berichteten, dass manche Hersteller von Antrieben und Stellgeräten, die in PLT-Schutzeinrichtungen eingesetzt werden, zunehmend Anforderungen an den Betreiber stellen. So würden beispielsweise die Einsatzdauern beschränkt oder jährliche Funktionstests, Wartung nach Schaltspiel oder Einsatzdauer, Inspektionen und Instandsetzung nur durch zertifizierte Werkstätten gefordert. Einschränkungen, sofern sie nicht normativ bedingt sind, werden jedoch von den Betreibern mehrheitlich abgelehnt.

Rechtliche Situation bei globalem Anlagenbau

Zur rechtlichen Situation in internationalen Projekten des Anlagenbaus außerhalb der Europäischen Union und der USA hatten gleich mehrere Teilnehmer Fragen eingereicht.

Problematisch werde es hier vor allem dann, wenn es weder gesetzliche noch vertragliche Anforderungen für funktionale Sicherheit gäbe. Erfahrungen der Unternehmensvertreter zeigten, dass bei Projekten in Indien und Afrika zum Teil ausdrücklich auf funktionale Sicherheit aufgrund vermeintlicher zusätzlicher Kosten verzichtet werden solle. Würde dann entsprechend tatsächlich so verfahren, müsse dies unbedingt dokumentiert werden. Im Zweifelsfall sollten immer die höheren Standards genutzt werden und rechtlicher Beistand aus dem betreffenden Land hinzugezogen werden.

Dr. Andreas Hildebrandt, Leiter Schulung und Gremienarbeit bei Pepperl+Fuchs, bezog diese Erkenntnisse in sein Fazit der Veranstaltung ein: „Das Thema funktionale Sicherheit wird in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung stetig komplexer. Zu technischen Aspekten gesellen sich rechtliche Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, Foren wie die SIL-Sprechstunde anzubieten, bei denen ein übergreifender Austausch unterschiedlicher Disziplinen stattfindet und ganz konkrete Probleme aus dem Alltag mit der nötigen Tiefe durch Experten beantwortet werden.“

Funktionale Sicherheit bei Pepperl+Fuchs

pepperl21118Anwendern stehen fast 800 Safety-Produkte insgesamt, davon allein rund 300 Interface-Module zur Verfügung. Unterstützt werden sie zudem mit kostenlosen Informationen zu Grundlagen und Produktauswahl, wie einem Safety-Produkt-Selektor, einem Tool PFD-/PFH-Berechnung nach EN61508 und VDI/VDE 2180, Sistema-Bibliotheken sowie einem SIL-Kompendium und einem SIL-Poster.

Auf der SPS IPC Drives 2018 präsentiert Pepperl+Fuchs neue Sicherheitsrelais der KFD2-RSH-Familie auf Basis einer 1oo3-Architektur mit Diagnosefunktion. Damit entsteht dem Anwender kein zusätzlicher Aufwand für Proof-Tests.

Alle Module sind leitungsfehlertransparent, das bedeutet, die Feldseite des Signalkreises wird ohne zusätzlichen Verdrahtungsaufwand auf Leitungsfehler überwacht. Damit ist auch ein sicheres Einschalten gewährleistet. Die Relais sind immun gegen Testpulse und daher mit digitalen Ausgangskarten aller marktüblichen Steuerungen kompatibel. Die Module gibt es für DTS- (De-energized-to-safe) und für ETS- (Energized-to-safe) Anwendungen sowie für Laststromkreise bis 60 V DC und bis 230 V AC. Die einkanaligen Geräte sind nach Atex / Iecex Zone 2 und UL zugelassen und eignen sich für Anwendungen bis IEC61508 SIL 3, die DTS-Module darüber hinaus für Anwendungen bis EN ISO 13849 PL e.

Blick in die Veranstaltung

Der Autor ist Andreas Grimsehl, Product Marketing Manager Interface Technology, bei der Pepperl+Fuchs GmbH.


 developmentscout TV – Interview          weiterer Beitrag des Herstellers          Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Diese Webseite wird Ihnen präsentiert von: