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bosch fehrenbachInterview mit

Franz Fehrenbach

Vorsitzender des Aufsichtsrats der Robert Bosch GmbH, Stuttgart und

"Dies ist vielleicht die schmerzhafteste Erfahrung, die ich in meinem Berufsleben erleben muss."

 

 

 

 bosch dennerDr. Volkmar Denner

Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, Stuttgart

"Wir haben im vergangenen Jahr einen Verlust in Höhe von einer Milliarde Euro verkraften müssen."

 

 

 



Bosch steigt aus dem Geschäftsfeld kristalline Photovoltaik aus. Die Fertigung von Ingots, Wafern, Zellen und Modulen wird Anfang 2014 eingestellt. Soweit möglich sollen einzelne Bereiche zeitnah verkauft werden. Sämtliche Entwicklungs- und Vertriebsaktivitäten werden ebenfalls beendet. Das Modulwerk in Venissieux, Frankreich, soll veräußert werden. Die ursprünglich in Malaysia geplante Fertigung wird nicht aufgebaut. Bosch plant die Anteile an der Aleo Solar AG zu verkaufen. Die Bosch Solar Cistech GmbH in Brandenburg/Havel wird unverändert als Entwicklungsaktivität für die Dünnschichttechnologie weitergeführt.

developmentscout: Herr Dr. Denner, Sie haben am 22.3. verkündet, aus dem Solargeschäft ganz auszusteigen. Warum?

Dr. Denner: Wir haben im vergangenen Jahr einen Verlust in Höhe von einer Milliarde Euro verkraften müssen. Aufgrund der veränderten Marktbedingungen haben wir keine Chance auf eine dauerhafte Verbesserung  gesehen. Den weiterhin massiven Preisdruck in einem immer schwieriger werdenden Markt konnten wir nicht auffangen. Obwohl wir 2012 unsere Herstellkosten deutlich gesenkt haben, reichte dies nicht aus, die bis zu 40 Prozent Preisverfall zu kompensieren. Heute schreibt fast die gesamte Solar Branche weltweit tiefrote Zahlen.

developmentscout: Welche Überlegungen haben zu dieser Entscheidung geführt?

Dr. Denner: Bosch hat im vergangenen Jahr alle Aspekte des Solar-Geschäfts imHinblick auf weitere Fortschritte bei der Technologie, bei weiteren Möglichkeiten zur Kostensenkung sowie bezüglich möglicher Kooperationen, umfassend geprüft. Allerdings ergab sich aus keiner dieser Möglichkeiten eine wirtschaftliche und langfristig tragfähige sung.

developmentscout: War der Einstieg in die Solar-Branche also damals falsch?

Dr. Denner: Nein. Wir haben den Einstieg damals gründlich in allen Aspekten geprüft und systematisch vorbereitet. Die derart drastischen Veränderungen im Markt, insbesondere der schnelle Kapazitätsaufbau in China, waren in dieser Dramatik nicht vorherzusehen. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Photovoltaik im Energiemix der Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Verluste in dieser he können aber auch wir uns nicht über einen längeren Zeitraum leisten.

developmentscout: Herr Fehrenbach, sehen Sie den Ausstieg als persönliche Niederlage oder Fehler an?

Fehrenbach: Die Entscheidung fiel uns schwer: Einmal aufgrund des großen Verlustes, den wir zu verzeichnen haben und auch aufgrund der Aussichten und der Rolle, die der Sonnenenergie in Zukunft zukommen wird. Nur können wir solch große Verluste nicht auf lange Zeit verantworten. Nicht zuletzt aufgrund der Verantwortung für die vielen Mitarbeiter und ihre Familien fiel uns die Entscheidung schwer.  Unsere Beschäftigten haben sich bis zuletzt sehr engagiert und auch große Fortschritte bei der Senkung der Herstellkosten erzielt. Allerdings hat sich der Preisverfall am Markt unvorstellbar rasant entwickelt. Technologisch konnten wir nicht noch größere Fortschritte in derselben Zeit erreichen. Wir alle müssen uns eingestehen, dass alle diese Fortschritte nicht ausreichend genug waren, um dauerhaft wettbewerbsfähig und wirtschaftlich auf dem Markt agieren zu können. Ja, das schmerzt. Aber grundsätzlich gilt: Zum unternehmerischen Agieren gehören nicht nur Erfolge sondern auch Niederlagen. Wenn sich Marktbedingungen so fundamental ändern wie in dieser Branche, dann müssen wir auch unsere Schlussfolgerungen ändern. Theoretisch erscheint unsere jetzt getroffene Entscheidung plausibel und nachvollziehbar und dennoch: Dies ist vielleicht die schmerzhafteste Erfahrung, die ich in meinem Berufsleben erleben muss.

developmentscout: Die Entscheidungkostet nun rund 3000 Mitarbeitern den Arbeitsplatz. Ist das mit der Bosch-Verantwortung vereinbar?

Dr. Denner: Grundsätzlich haben wir uns die Entscheidung auch aus diesem Grund nicht leicht gemacht. Daher haben wir alle Möglichkeiten und Optionen bis jetzt geprüft und abgewogen. Unsere Verantwortung ist allerdings nicht auf einzelne Standorte begrenzt, sondern sie gilt für alle Arbeitsplätze innerhalb der Bosch-Gruppe weltweit. Zur Verantwortung gehört aber auch, dass wir unsere Mitarbeiter im Solar- Geschäftsbereich in dieser schwierigen Zeit nicht allein lassen, sondern versuchen werden, sie bei der Suche nach neuen Arbeitsptzen an anderen Bosch-Standorten und bei anderen Unternehmen zu unterstützen. 

developmentscout: Sind Sie eigentlich einverstanden mit dieser Entscheidung? Schließlich waren Sie es, der ab 2008 den schrittweisen, aber großen Einstieg gefördert hat.

Fehrenbach: Ja, die Entscheidung trage ich absolut mit. Ich habe immer gesagt, dass es eine Querfinanzierung des Solar-Bereiches auf Dauer nicht geben kann. Wir haben heute ganz andere Rahmenbedingungenals 2008. Der Markt unterlag einem dramatischen Preisverfall von bis zu 40 Prozent pro Jahr. Auch andere mussten bereits aus dem Markt aussteigen.

developmentscout: Ist Ihre Strategie der Diversifizierung und des ökologischen Ansatzes damit hinfällig?

Dr. Denner: Nein die Bosch-Gruppe macht mehr als 40 Prozent des Umsatzes mit energieeffizienten und ressourcenschonenden Produkten und wir geben von unseren F+E-Ausgaben die Hälfte für die Entwicklung neuer umweltschonender Produkte aus – das sind rund 2,4 Milliarden Euro. Die Unternehmensstrategie behalten wir trotz des Ausstiegs aus dem Solargeschäft bei.

Fehrenbach: Die Berücksichtigung ökologischer Belange bleibt ein wichtiger Eckpfeiler unserer Unternehmensstrategie. Auch sind wir weiterhin überzeugt davon, dass die regenerativen Energien und zwar auch die Photovoltaik einen bedeutenden Anteil am Energie-Mix der Zukunft haben werden. Allerdings sind wir aufgrund unserer gegebenen Position und derveränderten Umfeldbedingungen auf diesem Gebiet nicht mehr wettbewerbsfähig.

developmentscout: Wieviel werden Sie die vier Jahre im Solar-Markt bei Abschluss des kompletten Ausstiegs insgesamt gekostet haben?

Dr. Denner: Der aufsummierte Verlust beläuft sich derzeit au2,4 Milliarden Euro, einschließlich der Sonderabschreibungen von 1,6 Milliarden Euro. Zusätzlich kommen noch die Kosten für den Ausstieg selber hinzu. Da diese Abwicklung mit verschiedenen Risiken behaftet ist und die Details der Umsetzung gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt werden, können wir zum jetzigen Zeitpunkt hier keine Größenordnung nennen.

developmentscout: Wie lange wird der Ausstieg tatsächlich dauern bis alles geschlossen oder verkauft ist und mit den Gewerkschaftenverhandelt wurde?

Dr. Denner: Dies wird einige Zeitdauern. Einerseits beanspruchen die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern entsprechend Zeit, andererseits wird sich auch der Verkauf einzelner Bereiche der Fertigung nicht von heute auf morgen bewerkstelligen lassen. Gelingen die Veräußerungen nicht, müssen wir die Fertigung Anfang 2014 einstellen. Parallel dazu würden ebenfalls alle Entwicklungs-,Vertriebs- und Verwaltungsaktivitäten geschlossen.

Das Interview ist nicht exklusiv und erschien am 22.3.13 im Bosch Mitarbeiter-Magazin „Bosch Zünder Online".


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