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Freitag, November 17, 2017
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maxonInterview mit

Eugen Elmiger,

Direktor Verkauf & Marketing; Sprecher der GL, maxon motor, Sachseln-Schweiz:

„Wir haben nicht mehr so viele ‚schwarze Löcher‘ auf der Erde, so dass unsere weiteren Eroberungen wohl auf anderen Planeten stattfinden werden.“


Mit beiden Beinen auf der Erde können Patienten mit amputierten Gliedmaßen wieder stehen, die sich für Prothesen mit Antriebstechnik von maxon motor entschieden haben. Dabei schaut der Erfinder der rautenförmigen Wicklung und Spezialist für eisenlose Motoren schon seit Jahren weit über den Tellerrand unseres Planeten hinaus. developmentscout sprach mit Eugen Elmiger u. a. über neue Projekte in der Medizintechnik, künftige Märkte und Nischen, die SPS/IPC/Drives-„Kollektion“ und das nächste globale Vertriebsbüro auf dem Mars.

 

developmentscout: Vom Scherfolienfertiger für Braun-Rasierer 1961 zum Anbieter von hochpräzisen Antriebssystemen heute: Welche Meilensteine hat maxon motor auf diesem Weg zurück gelegt?

Elmiger: Einer der wichtigsten Meilensteine ist sicherlich die Erfindung der rautenförmigen Wicklung und des Herstellverfahrens für Kleinstmotoren mit eisenlosem Rotor im Jahre 1967/68. Sehr wichtig für uns war auch die Internationalisierung. Das begann genau vor 30 Jahren in den USA und steht aktuell bei der Gründung einer Niederlassung in Indien im Sommer dieses Jahres. 1989 haben wir unseren Produktionsbetrieb für Getriebe in Sexau bei Freiburg, Deutschland eröffnet. 1997 waren elf unserer DC-Kleinmotoren im Fahrzeug „Sojourner“ auf Pathfinder-Mission die allerersten Motoren auf dem Mars. Und zwar erfolgreich, so dass im Jahre 2004 gleich zweimal 39 weitere Motoren, verbaut in den beiden Mars-Rovern „Spirit“ und „Opportunity“, wiederholt die Reise zum Mars antreten konnten. Ungarn als dritte Produktionsstätte wurde 2004 in Betrieb genommen und stellt als weiteres Standbein ebenfalls einen Meilenstein dar.

developmentscout: Sie haben für die ersten vier Monate 2010 bereits einen Rekord Umsatz gemeldet. Wie ist die aktuelle wirtschaftliche Situation zum Ende des Jahres?

Elmiger: Zurzeit sieht es sehr gut aus. Die Rekorde des ersten Halbjahres muss man im Zusammenhang mit dem schlechten Jahr 2009 sehen. Aktuell verzeichnen wir ein stabilisiertes Wachstum auf sehr hohem Niveau. Wir arbeiten teilweise in zwei Schichten, speziell die Beschaffungssituation ist angespannt. Mit unserem Umsatz in diesem Jahr werden wir voraussichtlich an das Jahr 2008 anknüpfen, eventuell auch etwas darüber.

developmentscout: In Ihrem Leitbild definieren Sie das Ziel, die führende Stellung im Nischenmarkt auszubauen und in allen wichtigen Märkten die Nr. 1 zu werden. In welchen Märkten haben Sie die Spitze bereits besetzt, welche sollen hinzukommen und welche Nischenmärkte möchten Sie ausbauen?

Elmiger: Führend sind wir in der Medizintechnik mit 47 Prozent Umsatzanteil. In 2010 wird das etwas zurückgehen, weil andere Märkte wieder stark gewachsen sind, dennoch werden wir aufgrund der attraktiven Projekte, die wir in der Pipeline haben die Nr. 1 bleiben. Führend sind wir zudem in der humanoiden Robotik und der Sicherheitstechnik. Neu und für uns interessant sind die sogenannten „Eco“-Projekte. Vielleicht bringen wir in naher Zukunft einen Fahrradantrieb auf den Markt. Ideen und erste Prototypen sind schon im Einsatz. Erfolg versprechend ist hier auch unser EC 22Heavy Duty Abtrieb, der bis 240 °C spezielle Einsatzmöglichkeiten finden wird. Für diesen Motor haben wir gerade den Innovationspreis der Zentralschweiz gewonnen, worauf wir sehr stolz sind. Einen interessanten Nischenmarkt gibt es für mechatronische Kleinstantriebe, die Einsatz in der Sicherheitstechnik finden. Ganz neue Entwicklungen gibt es für Personenschutzsysteme. In der Tiefbohrtechnik kann es für den  Heavy Duty Motor ebenfalls spannend werden.

developmentscout: Was sind das für schöne Projekte in der Medizintechnik?

Elmiger: Das sind zum Beispiel nach unserer Handprothese, die Weiterentwicklungen von Fuß-, Gelenk- und Knieprothesen. Sehr spannend ist die Entwicklung gedankengesteuerter Prothesen durch bioelektrische Signale, was wir in Zusammenarbeit mit japanischen Unternehmen vorantreiben. Menschen, die beispielsweise einen Schlaganfall hatten, behinderte, oder ältere gebrechliche Leute können damit wieder gehen. Weiter gibt es auch Entwicklungen von total implantierbaren Antriebssystemen.

developmentscout: Welches sind Ihre Kernkompetenzen?

Elmiger: Ganz klar ist die Wickeltechnologie eine Kernkompetenz. Für die eisenlose Wicklung setzen wir heute fünf verschiedene Wickeltechnologien ein. Damit beherrschen wir die eisenlosen Motoren. Eine weitere Kompetenz ist das Mikrospritzen von Kunststoffen und der dazugehörigen Konstruktion der Präzisions-Spritzwerkzeuge. Auch das Keramik- und Metallspritzen beherrschen wir selber. Für solche kleinen Teile, die in den Getrieben und Motoren verbaut werden, muss man die Details kennen, sonst kann man keine hochpräzisen Antriebssysteme in höchster Qualität produzieren. Die Prozesse für das Assemblieren von kleinsten Teilen muss man ebenfalls beherrschen. Hinzu kommt die Sensortechnik, magnetische, optische, induktive Encoder oder weitere Neuheiten, die wir künftig selbst herstellen. Die Kombination zwischen all den genannten Kompetenzen Sensorik, Mechanik, Elektrotechnik und Software verbirgt sich hinter dem großen Schlagwort Mechatronik. Wir haben eine sehr hohe Fertigungstiefe, nicht nur für Produkte sondern auch für unsere Produktionsanlagen.

developmentscout: Mit welchen Alleinstellungsmerkmalen heben Sie sich vom Markt ab?

Elmiger: Alleinstellungsmerkmale sind allen voran die eisenlose Wicklung, hohe Wirkungsgrade mit bis zu 98 Prozent, die sehr einfache Ansteuer- und Regelbarkeit sowie die hoch dynamische Funktion dank des geringen Gewichts. Mit der Möglichkeit, unseren Produkten Intelligenz zu verleihen, heben wir uns ebenfalls vom Markt ab. Und zwar versehen wir sie beispielsweise nicht nur mit einem Sensor, sondern machen diesen konfigurierbar.  Sie sehen, wir bieten überdurchschnittlichen Nutzen für unsere Kunden zu erschwinglichen Kosten inklusive weltweitem Service.

developmentscout: Ihr starkes Engagement für die Medizintechnik bringt Innovationen wie die besagte Handprothese hervor, die sehr teuer sind. Im Gegenzug werden die finanziellen Mittel der Krankenkassen immer begrenzter. Machen Sie Hightech-Medizin für die oberen 10.000 oder wer soll das aus Ihrer Sicht einmal bezahlen?

Elmiger: Wir machen vielleicht schon in den Anfängen Antriebssysteme für die Hightech-Medizin für die oberen 10.000. Aber es ist nur eine Frage der Zeit im Sinne von Stückzahlen bis diese Technik erschwinglich für alle wird. Das ist vergleichbar mit dem Automobilbau. Während Sie heute noch 30 Prozent mehr für ein Elektroauto bezahlen, werden die Stückzahlen in ein paar Jahren solche Preise relativieren. Die Handprothese wurde allerdings für das amerikanische Militär entwickelt. Die Soldaten, die an der Front ein Bein oder Arm verloren haben, bekommen solche Prothesen kostenlos. Unser Ziel ist es natürlich, unsere Technik allen Kunden zur Verfügung stellen zu können. Da wir alle immer älter werden, wird auch der Bedarf nach Gehilfen ansteigen und sich damit auch die Stückzahlen erhöhen. Heute kosten die Gehilfen mehrere 10‘000 Euro, in zwanzig Jahren wird dieser Preis aus meiner Sicht vielleicht bei 1000 oder 2000 Euro liegen.

developmentscout: Ihre Motoren sind schon seit Jahren auf „Mars-Mission“ im Einsatz. Was passiert, wenn sie einmal ausfallen?

Elmiger: Betrachten wir die letzte Mission, da sind 39 Antriebe in einem Rover verbaut. So ein Rover hat sechs Räder, von denen auch mal ein/zwei/drei Räder ausfallen können, ohne dass er dann stehen bleibt. Man hat aber nicht überall redundante Systeme. Deshalb müssen die Motoren auf der Erde hundertprozentig überprüft werden. Der Produktionsprozess wird nicht nur durch uns sondern auch durch die NASA überwacht. Nach besten Wissen und Gewissen werden die Motoren dann eingebaut. Das mal einer ausfällt kann sein, darf aber nicht passieren. Die letzte Mission war für drei Monate geplant, jetzt sind die Antriebe schon sechs Jahre alt  und laufen immer noch, wobei zwei/drei von ihnen schon ein wenig Altersbeschwerden aufweisen. Das beweist, dass wir brillante und fehlerlose Arbeit geleistet haben.

developmentscout: Sind schon weitere solche außerirdische Missionen geplant?

Elmiger: Ja, wir arbeiten an verschiedensten Missionen mit der ESA. Da gibt es den ‚Exomars‘, für den wir in Zusammenarbeit mit der Raumfahrtbehörde Antriebssysteme entwickelt haben. Er wird voraussichtlich 2018 zum Einsatz kommen. Auch mit der NASA haben wir Projekte weiterentwickelt, die spezielle Motoren mit Spezialbremse benötigen und die derzeit in den USA produziert werden. Wir haben die japanische Mission ‚Hayabusa‘ (MUSES-C) mitgestaltet die den Astroiden Itokawa im 2005 besucht hat. Diesen Sommer ist die Rückkehrkapsel mit Bodenproben, aber leider ohne unsere Motoren zur Erde zurückgekehrt. Zudem sind wir in Russland und in Indien bei Weltraummissionen dabei.

developmentscout: Im Sommer dieses Jahres haben Sie eine Niederlassung in Indien gegründet. Wie war der Start und welche globalen Ziele verfolgen Sie künftig?

Elmiger: Der Start in Indien war sehr gut, wenn wir einmal über den administrativen Aufwand hinweg sehen. Nachdem wir seit ca. zehn Jahren mit einem Distributor vor Ort waren, haben wir gesehen, dass die Zeit jetzt reif für die Eröffnung einer maxon motor Niederlassung ist. Wir haben sehr gute einheimische Mitarbeiter gefunden. Auch das war ein Abenteuer, diese zu finden und auszuwählen. Ansonsten haben wir nicht mehr so viele ‚schwarze Löcher‘ auf der Erde, so dass unsere weiteren Eroberungen wohl auf anderen Planeten stattfinden werden. Spaß beiseite: Wir haben unsere 30 Vertriebsgesellschaften und werden zudem Osteuropa noch stärker ausbauen. Nächstes Ziel könnte Russland in Richtung Ukraine werden.

developmentscout:  Welche Neuheiten präsentieren Sie auf den Herbstmessen electronica und SPS/IPC/Drives?

Elmiger: Wir stellen den Ausbau der zweiten Generation unserer frei programmierbaren  Positioniersteuerung ‚EPOS2‘ vor. Diese wurden abgestimmt für den Einsatz mit bürstenbehafteten DC-Motoren mit Encoder oder bürstenlosen EC-Motoren mit Hall-Sensoren und Encoder. Darunter wurde die EPOS2 70/10 speziell für die Kommandierung und Steuerung im CANopen-Netzwerk entwickelt, während die EPOS2 P24/5 zusätzlich über einen eingebauten Prozessor und Speicher verfügt. Weiter präsentieren wir die sterilisierbaren Motoren EC 13 und EC Size 5. Allein oder als Motor/Getriebe-Kombination bieten sie eine hohe Leistung, bei geräusch- und vibrationsarmen Lauf, geringer Wärmeentwicklung und minimaler Größe.  Das sind besonders willkommene Eigenschaften für angetriebene Werkzeuge in der Medizintechnik. Ein ganz anderes Einsatzfeld im Temperaturbereich bis 240 °C hat der EC 22 HD Heavy Duty-Motor. Er wurde beispielsweise für den Einsatz in Tiefbohr-Werkzeugen zur Verstellung von Klappen entwickelt.

Das Interview führte Chefredakteurin Angela Scheufler.


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