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lenze interviewInterview mit

Dr. Erhard Tellbüscher

Vorstandsvorsitzender Lenze SE, Hameln:

„Hightech ist nicht gleichbe- deutend mit Vorsprung, sondern es gilt, die skalierbaren Produkte mit intelligenter Technik einfach nutzbar zu machen"


"Wege aus dem Engineering-Dilemma" war Teil eines Slogans anlässlich der Pressekonferenz von Lenze. Während viele Unternehmen noch Hightech-Technologien hinterherjagen, beginnt bei dem Hamelner Antriebsspezialisten bereits ein Umdenken. Einfach und intelligent sollen die Produkte sein, durchgehendes Engineering ist wichtig und dass Energie ein kostbares Gut ist, ist selbstverständlich. developmentscout sprach mit Dr. Erhard Tellbüscher, der den aktuellen Aufschwungsboom nicht für nachhaltig hält respektive uns Europäer als von den Asiaten abhängig sieht.

developmentscout: Sie haben die Veranstaltung unter das Motto „Mechatronische Systeme – Wege aus dem Engineering-Dilemma“ gestellt. Was ist denn das Dilemma?

Dr. Tellbüscher: Bereits seit einigen Jahren rücken der Zeitbedarf und die Kosten für das Engineering einer Maschine bzw. einer Anlage mehr und mehr in den Fokus unserer Kunden und werden zu einem wesentlichen Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb. Insbesondere der Lösungskompetenz der Antriebs- und Steuerungsanbieter, aber auch deren Engineering-Tools kommt eine große Bedeutung zu. Mithilfe der Durchgängigkeit der einzelnen Tools zur Auswahl der jeweiligen Komponenten für eine Maschine, zur Parametrierung und Programmierung sowie für Fehlersuche und Diagnose wollen wir uns von unseren Wettbewerbern abheben und Kundennutzen durch ein einfacheres Engineering schaffen. So bietet Lenze mit dem Drive Solution Designer (DSD) ein leistungsfähiges Auslegungswerkzeug, mit dem sich schnell und einfach eine Antriebsauswahl durchführen lässt, und mit dem L-force Engineer eine durchgängige Lösung, die sowohl den Programmierer einer Anlage als auch die Servicetechniker bei ihren Aufgaben optimal unterstützt.

developmentscout: Sie haben heute beeindruckende Wachstumszahlen präsentiert: Wie nachhaltig wird Ihrer Meinung nach der doch teilweise recht aggressive Aufschwung sein. Ist er nicht schon wieder beängstigend?

Dr. Tellbüscher: Wir sind im ersten Halbjahr um 46 Prozent gewachsen, in Teilbereichen sogar stärker, beispielsweise bei den Frequenzumrichtern um 80 Prozent. Damit sind wir erneut am Anschlag unserer Kapazitäten. Die Zulieferteile lassen die Lieferzeit schon wieder anwachsen. Im Elektrobereich sind manche Bausteine wie Speicherchips, Halbleiter oder Mikroprozessoren extrem schwer zu bekommen. Dennoch ist der Superboom, von dem manche sprechen, meines Erachtens nicht wirklich da. Wir gehen davon aus, dass wir jetzt einen Nachholbedarf haben. Unsere Kunden haben freie Kapazitäten, sie nehmen kürzere Lieferzeiten an, dadurch entsteht kurzfristig mehr Einkauf. Andererseits tritt die gesamte Maschinenbaubranche nicht gleichzeitig in den Markt ein. Während einige Branchen bereits boomen, sind andere noch gar nicht wieder voll da. Das wird in der zweiten Jahreshälfte bis Anfang 2011 passieren. Damit bekommen wir gegenläufige Effekte, sodass wir glauben, dass es etwa auf dem jetzigen Niveau weitergehen wird, mit vielleicht einer leichten Abschwächung.

developmentscout: Viele Unternehmen sprechen davon, dass das Wachstum, wie es heute generiert wird und wie es vor der Krise relevant war, nur noch durch die globalen Aktivitäten, speziell in Asien, insbesondere China, sicherzustellen sei. Sind die Europäer bereits von den Asiaten abhängig geworden?

Dr. Tellbüscher: Ich denke schon zu einem Teil. Alles richtet sich nach Asien aus, insbesondere nach China und dem aufstrebenden Indien. Ich sehe das als technischen Wettlauf. In China produziert der größte Werkzeugmaschinen-Anbieter gut 90.000 Maschinen im Jahr in der mittleren Technologie. Vergleichsweise kann Europa mit deutlich weniger aufwarten. Die Chinesen arbeiten aber noch auf Basis einer recht bescheidenen Technologie. Diese rüsten sie auf, werden besser und lernen von uns. Wenn die Chinesen also noch deutlich an Technologie gewinnen, wie wollen wir uns dann hier in Europa halten?

developmentscout: Haben Sie eine Idee, wie wir das machen könnten?

Dr. Tellbüscher: Meines Erachtens bringen viele Unternehmen den Vorsprung immer mit Hightech in Zusammenhang. Daher haben wir hier in Europa und speziell in Deutschland sehr viele Hightech-Produkte mit sehr vielen Features, die viele nicht brauchen. Meine Vorstellung von Hightech ist eine andere: etwas Einfaches einfach halten und mit einer guten intelligenten Technologie versehen. Das treibt die Kosten nach unten und macht das Bedienen einfach. Wenn es einem gelingt, ein Massenprodukt auf passablem technischem Niveau herzustellen, welches ein hervorragendes Bearbeitungsergebnis liefert, wird man sehr wettbewerbsfähig sein. Doch um die Produkte mit ihren vielen Features zu vereinfachen, müssen wir auch bei Lenze noch einiges dazulernen.

developmentscout: Viele Unternehmen leben bereits eine Umweltstrategie. Ihre heißt ‚Lenze BlueGreen‘. Was genau verbirgt sich dahinter?

Dr. Tellbüscher: Blau ist die Farbe von Lenze und Grün steht für Technologien, die Energie sparen und den Kohlendioxidausstoß verringern. Innerhalb des Betriebes haben wir Programme zum Energiesparen angereizt und unsere Mitarbeiter bringen begeistert viele Ideen ein, die wir dann gemeinsam umsetzen. Auf der Produktebene verkaufen wir heute keine Getriebemotoren mehr mit schlechten Wirkungsgraden, wie sie typischerweise Schneckengetriebe haben. Die Wirkungsgrade unserer Getriebe liegen heute deutlich über 95 Prozent. Für die Motorentechnologie gibt es einerseits die neuen Effizienzstandards, die wir einhalten, andererseits haben wir Motoren in Verbindung mit Umrichtern entwickelt, die in höheren Frequenzbereichen betrieben werden können. Das hat zwei Effekte: Der Motor kann zwei Baugrößen kleiner werden und spart damit Primärenergie, und über den hohen Frequenzbereich lässt sich zusätzlich Energie einsparen. Unsere Berechnungstools sorgen für eine genaue Auslegung der Produkte, sodass man die in der Vergangenheit oft überdimensionierten Sicherheiten reduzieren kann. Mit unserem ‚Drive Solution Designer‘ kann man alternative und präzise Antriebskonzeptionen auslegen. Unter dem Dach der Lenze-BlueGreen-Strategie wirken außerdem mit: Energierückspeisung, Energienutzung im Schaltschrank sprich Antriebsauslegung nach Bedarf bzw. Betriebszyklen, Herausrechnen des Gleichzeitigkeitsfaktors sowie Bremsenergienutzung. Wenn man das alles gut macht, kann man gegenüber heutigen Anlagen mehr als 35 Prozent Energie einsparen.

developmentscout: Lenze widmet sich seit einiger Zeit dem Thema Elektromobilität. Werden Sie nach Ihren Aktivitäten für Hybridbusse oder Nutzfahrzeuge auch das Automobil eines Tages ins Auge fassen?

Dr. Tellbüscher: Das wird wahrscheinlich nicht der Fall sein. Wir haben das eruiert und mit Automobilherstellern gesprochen. Diese sehen das als Teil ihrer Kernkompetenz und möchten vor allem Know-how auf der Systemebene sammeln und die Kosten im Griff behalten. Außerdem passt das allgemeine Maschinenbaudenken nicht in diese hohe Spezialisierung. Daher ist es für die Größe unseres Unternehmens nicht opportun, in den Pkw zu gehen.

developmentscout: Gibt es etwas, das Lenze mit dem bekanntesten Bürger Hamelns gemeinsam hat?

Dr. Tellbüscher: Mit dem Rattenfänger haben wir eigentlich gar nichts zu tun, weil Lenze ein Unternehmen ist, das sich sehr an guten Werten orientiert – und die Tatsachen liebt.

Das Interview führte Chefredakteurin Angela Scheufler.


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